Reckes Reflektionen: Ein unberechenbares Spiel auf Sand 

Sport-Welt Kolumne von Trainer Christian Frhr. v.d. Recke ...

Ein unberechenbares Spiel auf Sand

Spricht man derzeit hierzulande von Rennsport, dann sind in erster Linie die Rennen auf den Allwetterbahnen in Neuss und Dortmund sowie jene im belgischen Ghlin gemeint, wo bekanntlich ja auch bei jedem Renntage zahlreiche deutsche Pferde zum Einsatz kommen. Anders als bei den Prüfungen auf Grasbahnen, wo immerhin sechs verschiedene Bodenangaben möglich sind, liest man bei den Formen der Pferde lediglich das Wort Sand, obwohl es auch auf den Belägen der drei Sandbahnen deutliche Unterschiede gibt. Dadurch kommt es auch zu verschiedenen Taktiken am Renntag selbst und damit auch zu unterschiedlichen Formschwankungen.

Im Klartext: Wenn die Bahnen z. B. gefroren bzw. leicht aufgeraut sind, entsteht kein Kick Back, also Sand, der hochfliegt, und somit können Pferde auch aus dem Hintertreffen gewinnen. Von hinten können Pferde aber auch in Ghlin gewinnen, da dort der Sand nicht so hoch fliegt, die Pferde weniger Sand ins Gesicht bekommen und sich somit auch weniger vor ihm ekeln. Wenn Pferde zum ersten Mal auf Sand laufen und sie nicht gleich nach vorne kommen, so ist es ähnlich der Situation, wie wenn man Ski läuft und es zu schneien anfängt. Automatisch geht man nämlich in eine Rückenhaltung, um dem entgegenkommenden Schnee oder Sand wie bei den Pferden auszuweichen. Deswegen sind Pferde oft vom Start bis ins Ziel Letzter, da sie sich in dem Moment nicht mit dem Untergrund anfreunden können. Wenn sie aber beim nächsten Mal dann im Vordertreffen gehen, sieht das oftmals ganz anders aus. Die Frage ist dann natürlich: Warum geht man nicht gleich im Vordertreffen?

Vorne gehen und bloß kein Dreck

Das ist natürlich nicht so einfach, da ich einmal davon ausgehe, das 98 Prozent aller Pferde mit der gleichen Order auf die Reise geschickt werden, nämlich vorne gehen und keinen Dreck abbekommen. Gerade in Neuss und Dortmund sind z. B. die Startnummern bei den Startstellen 1500 Meter (Neuss) bzw. 1700 Meter (Dortmund) ganz entscheidend. Denn wer da nicht ganz schnell antreten kann, ist sofort im Hintertreffen. Dieses kann sich natürlich beim nächsten Renntag bei einer anderen Startnummer direkt ändern.

Für den Wetter allerdings ist nicht mehr nachzuvollziehen, mit welcher Startnummer sein Pferd beim vorherigen Start angetreten ist. Trotz allem lässt sich festhalten, dass, je mehr Informationen der Wetter auch bekommen mag, es am Ende doch immer noch ein unberechenbares Spiel ist. Und an diesem Spiel beteilige ich mich am Wochenende mit einem Starter in Dortmund sowie drei in Ghlin.

(21.12.2013)