Reckes Reflektionen: Züchten wird jetzt doppelt belohnt 

Sport-Welt Kolumne von Trainer Christian Frhr. v.d. Recke ...

Züchten wird jetzt doppelt belohnt!

Auch der letzte Renntag in Neuss war wieder positiv. Das Wetter stimmte, die Bahn war - nachdem sie anders abgezogen und die Dränage gereinigt worden war - besser und Pferde konnten sogar, wie Ciocco Sam, vom letzten Platz gewinnen, was früher unmöglich war. Es gab mehr Zuschauer und somit mehr Umsatz. Und wenn ich mir in die Rennen für den kommenden Dienstag anschaue, dann wird wohl kein Rennen ausfallen. Man hätte sogar noch die Möglichkeit, ein Rennen zu teilen, was dann zehn Prüfungen bedeuten würde.

Höhere Züchterprämie

So ist es zu verstehen, dass mehrere große Gestüte den ersten Schritt gemacht haben und bei fallender Stutenzahl neue und vor allem gute Hengste aufstellen. Ich denke da vor allem an Karlshof sowie Röttgen und natürlich Fährhof, die mit zwei tollen Hengsten gleich doppelt stark vertreten sind. Aber das Züchten wird ja auch doppelt belohnt, denn zum einen gibt es nicht nur sechs Prozent mehr Züchterprämie, sondern auch mehr Geldpreise. Man sieht also: Es bewegt sich was!

Was aber bei all diesen erfreulichen Erhöhungen auffällt, ist, dass in Neuss ein Lehrlingsrennen wegen zu geringer Nennungen zurückgezogen wurde. Es liegt aber nicht an dem Rennen oder den nicht vorhandenen Pferden, sondern an den Reitern. Wenn wir in dieser Richtung nicht etwas unternehmen, werden wir in naher Zukunft ein großes Problem haben. Es ist zwar okay, für große Rennen ausländische Reiter zu holen, doch sie arbeiten bei uns nicht von montags bis samstags!

Mehr tun für den Nachwuchs

Da einige ältere Jockeys eventuell bald aufhören, sehe ich wenige Nachwuchsreiter, die diese Lücke schließen können. Dass zum Beispiel schon der Nachwuchs-Champion von 2012, der keine Gewichtsprobleme hat, zweigleisig fährt, um finanziell zurechtzukommen, kann angesichts der Reitgelder, die seit der Umstellung auf den Euro nicht erhöht und bei dieser Gelegenheit nur angepasst wurden, nicht überraschen. Der deutsche Rennsport zahlt das geringste Reitgeld und zählt zu den nur noch wenigen Ländern, in denen fünf Prozent der Gewinne an die Reiter ausgezahlt werden. Zu allem Ärgernis ist auch die Spesenregelung für alle Aktiven in keiner Form geregelt, so dass jeder aus dem Bauch heraus fragt und etwas zu bekommen hofft. Nur bin ich mir sicher, dass ein aktiver Rennstallbesitzer aus seinem Unternehmen keinen Meister findet, der sich auf eine 1000-Kilometer-Reise (z. B. nach Dresden) begibt, um dort einen garantierten Tageslohn in Höhe von 50 Euro zu bekommen. Wenn wir nicht wollen, dass die letzten Jockeys sich das auch einmal anders überlegen, ist hier dringend Handlungsbedarf gegeben und nicht wieder Vertrösten angesagt.

Ziele Fährhof und Saarbrücken

Da am Samstag und Sonntag rennfrei ist, werde ich am Samstag nach Fährhof zur Stallion-Parade und am Sonntag zur Sitzung und 40-jährigem Jubiläum des Stalles Saarbrücken nach Saarbrücken fahren, für den ich 41 Sieger und damit vierunddreißig Prozent aller Stall-Saarbrücken-Sieger trainiert habe, denen hoffentlich bald weitere folgen werden. Am Freitag gilt es für mich, Abschied zu nehmen von Hermann Lohmann, der nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist und dessen Pferde, wie z. B. Ribbery, die Farben des Stalles Lydien trugen. Am Dienstag geht es dann mit einem kopfstarkem Aufgebot in Dortmund weiter.

(20.01.2014)