Presseartikel NGZ 

Ein Totes Rennen verbindet bis heute

Das Rennen, um das in den folgenden Zeilen geht, hat am Mittwoch-Nachmittag des 19. Juli 1978 auf der Neusser Grasbahn stattgefunden. Im Grunde zum Teil auch auf der Sandbahn, doch dazu später.

Es war der Preis vom Südpark und eigentlich in der gleichermaßen abwechslungsreichen, zuweilen sogar spannenden und unterhaltsamen Neusser Rennsportgeschichte kaum erwähnenswert. Es ging um einen Rennpreis von umgerechnet 2600 Euro und es liefen Pferde, die etliche Längen von der Grand-Prix-Klasse entfernt waren. Aber es waren zwei Reiter die Sieger im toten Rennen, die heute beide in unterschiedlichen Funktionen ständig auf den Rennbahnen präsent sind, sich oft sehen und gut verstehen.

Peter Brauer ist mittlerweile 60, Christian von der Recke 54 Jahre alt. Peter Brauer war jahrelang Pressechef des Galopper-Dachverbandes in Köln, Medienchef der Rennveranstalter in Baden-Baden/Iffezheim und Hamburg und in diesen Funktionen die Premium-Vielzweckwaffe schlechthin. In Sachen Fachwissen fast allen überlegen, Redenschreiber, Regisseur der Telewetten-Sendungen und immer gebraucht, wenn man nicht so recht weiterwusste. Was oft der Fall war.Heute betreibt er gemeinsam mit Beatrix-Mülhens-Klemm eine international vernetzte Vollblut-Agentur und von den Patronen der Vielzweckwaffe ist längst nicht alles verschossen worden. Nur das Gewichtvon 63,5 Kilogramm vor dem Preis vom Südpark sind Geschichte.

Sein damaliger Gegner Christian von der Recke (54) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Trainern. Der Magier von Weilerswist hat fast 1800 Rennen gewonnen und dazu 17 Championate. Sein Lehrmeister war der große Sven von Mitzlaff. Dessen durch eine Kriegsverletzung bedingtes Gangbild mit hinkenden Tendenzen übernahm von der Recke in Echt und kann es auch heute noch problemlos vorgehen. Mittlerweile hat von der Recke auch Pferde von Brauer trainiert–man sah sich zuletzt zur Siegerehrung in Neuss nach dem Erfolg von Birthday Guest 2013.

Doch zurück zum Rennen vor über 36 Jahren. Brauer ritt damals ständig im Training im Gestüt Röttgen bei Trainer Theo Grieper, begleitete auf Reisen sogar den Arc-Sieger Star Appeal und für das Rennen in Neuss durfte er den Fuchswallach Standard reiten. Auch von der Recke hat in Röttgen gelernt. Standard gehörte der Trainertochter Ulrike Grieper und eigentlich war es so etwas wie ein Elfmeter beim Fußball, aber ohne Torwart.

Genauso entwickelte sich das Rennen auch: Brauer und sein Standard gingen deutlich in Front und alles schien gesichert. Weil dem damals 26-jährigen jungen Mann aber die Routine in Rennen fehlte, geriet er mit Standard auf die Sandbahn an den Rails, wo jahrelang auch die Läufer auf der Zielgeraden bei den Crossläufen litten. Christian von der Recke erzählt es heute mit Ironie: „Das habe ich aus größerer Entfernung gesehen und im Rahmen meiner Möglichkeiten meine Stute noch einmal schnell gemacht.“ Die Rappschimmel-Stute Liara flog wie ein Düsenjäger heran und nach einer schier endlosen Wartezeit entschied Zielrichter Walter Busch aus Krefeld auf „totes Rennen“.

Zwei Sieger also, doch Standard-Trainer Theo Grieper fand das überhaupt nicht lustig und viele Ritte hat es für Peter Brauer später nicht mehr gegeben. Bei der Siegerehrung war die Familie von der Recke dreifach vertreten: Christians Vater Johann-Matthias für den Amateur-Verband und sein Bruder Wilhelm-Dietrich als Besitzer von Liara. Von den Rennleitung mit Peter Tasch und Wiljo Heyers wurde Brauer offiziell verwarnt, weil er die Gewinnaussichten des Pferdes nicht ernsthaft genug wahrnahm.

Text: Klaus Göntzsche
(08.01.2015)