Sport-Welt Stallparade 

Die Stallparade der Sport-Welt für 2015, Text: Guido Göbel.

Das Weilerswister-Quartier mischt auch auf gehobenem Parkett wieder mit
Nicht nur Eric und Geschwister

Braungebrannt, bestens erholt, und in Top-Form, so präsentierte sich Christian von der Recke, vierfacher Championtrainer in der Kategorie Flachrennen, und zwölffacher Championtrainer in der Kategorie Hindernisrennen, nach seinem Aufenthalt in St. Moritz bei der Stallparade. Wie in jedem Jahr weilte der Trainer aus Weilerswist, der in diesem Jahr wohl die 1800-Siegmarke knacken wird, bei den Rennen auf dem zugefrorenen See im Engadin, doch war in dem Nobel-Ski-Ort nicht nur Urlaub, sondern auch Arbeit angesagt, die aber wieder von Erfolg gekrönt war. Denn mit seinen zwei Siegen im populären Skikjöring, die passenderweise noch für den Schweizer Stall BMK Racing gelangen, avancierte sein Schützling Dreamspeed gemeinsam mit seinem Fahrer Franco Moro ("er ist inzwischen ein Freund geworden") zum "König von Engadin", ein Titel, den der Barathea-Sohn im nächsten Jahr wenn möglich auch verteidigen soll.

Die beiden Siege im Skikjöring tauchen in der offiziellen Statistik des Direktoriums zwar nicht auf, doch konnte das Weilerswister Quartier auch in Deutschland in dieser Saison bereits zweimal punkten, jeweils auf der Dortmunder Sandbahn waren Liro, bzw. Earl of Heaven erfolgreich. Auch an einem so erfolgreichen Stall wie dem von Christian von der Recke geht der Rückgang der Besitzer und Pferde nicht spurlos vorüber, und so blieb man 2014 unter der Siegzahl der Vorjahre, konnte dafür aber auch auf gehobenem Parkett wieder richtig mitmischen.

Eric ein Klasse-Dreijähriger

Dafür war vor allem der Tertullian-Sohn Eric verantwortlich, denn der Hengst bewies eindrucksvoll, dass sein Erfolg als Zweijähriger im Ferdinand Leisten-Memorial in Baden-Baden keine Eintagsfliege war. Zweiter im Preis der Dreijährigen, Vierter im Iffezheimer Derby-Trial, Vierter im Deutschen Derby und Sieger im Großen Preis der Stadt Krefeld auf Gruppe III-Parkett. Mit diesen Leistungen bewies der nun Vierjährige aus dem Besitz von Gabriele Gaul, dass er zu den besten Pferden seines Jahrgangs in Deutschland zählt."Und das alles, obwohl er in Weilerswist noch keine einzige Arbeit gewonnen hat", flachst Christian von der Recke, der immer wieder betont hat, über welch großes Herz der kleine Kämpfer verfügt. Nicht viel schlechter ist Erics Mutter Ericarrow sein von Mamool stammender Halbbruder Eastsite One geraten, denn der ein Jahr jüngere Hengst, der eines von drei Pferden des Stalles mit Derbynennung ist, gewann exakt das gleiche Rennen in Bad Doberan, in dem 2013 auch Eric erfolgreich war. Doch das war nicht alles, denn außerdem belegte Eastsite One, der ein ganz anderer Typ ist, als Eric, auch noch einen guten dritten Platz im Münchener Auktionsrennen.

Gelingt der Doberan-Hattrick?

Mit der Zweijährigen Erica, die wie Eastsite One von Mamool stammt, gibt es noch einen weiteren Nachkommen der Ericarrow im Stall, und natürlich soll auch sie in die Zweijährigenprüfung an der Ostsee gehen, die ihre Geschwister gewannen. "Da sind wir abergläubisch", scherzt der Trainer, doch wer ihn kennt, weiß, dass der Hattrick in Bad Doberan keine Utopie sein dürfte. Doch es sind nicht nur Eric und seine Geschwister, die für den Stall positive Schlagzeilen schreiben sollen, sondern auch andere Pferde, mit denen man auf gehobenem Parkett mitmischen möchte. So hat beispielsweise die Dreijährige Petite Paradise im vergangenen jahr schon in Auktionsrennen vorne mitgemischt, und neben Eastsite One besitzen auch Shadow Sadness und Savelletri eine Derbynennung. Letztgenannter vertritt übrigens prominente, und traditionsreiche Farben, nämlich jene des Stalles Gamshof. "Ich glaube, seine Mutter war das letzte Gamshofer Pferd, das in Deutschland startete", sagt Christian von der Recke über den ungeprüften Cape Cross-Sohn aus der Elopa, die eine Klassestute gewann, und mit dem Prix Corrida und dem Prix Allez France zwei Gruppe-Prüfungen in Frankreich an sich brachte. Ebenfalls neu auf der Liste der Besitzer ist der Rennstall Darboven, der den talentierten Polski Poseidon nach Kastration und gesundheitsbedingter Auszeit nach Weilerswist stellte.

Das Team fast unverändert

Beinahe unverändert präsentiert sich das Team am Hovener Hof. "Die Mannschaft ist fast schon so alt, wie die alte Eiche an unserem Hofeingang", sagt der Trainer, und meint das natürlich nicht despektierlich, sondern will betonen, dass er über ein eingespieltes Team verfügt. Neben den in obigem Kasten aufgeführten Mitarbeitern mit den Reiterinnen Sabrina Wandt ("Hoffentlich bleibt sie verletzungsfrei") und Rebecca Danz ("steht kurz vor dem 50. Sieg") an der Spitze seien noch Hufschmied Stephan Ernesti ("von der ersten Stunde an dabei"), die Tierklinik Burg Müggenhausen von Dr. Weinberger, und hierbei besonders Tierarzt von Scheven erwähnt. Rebecca Danz' Ehemann Thorsten ist für die Gestaltung der Internetseite des Stalles verantwortlich, als einziger Rennstall des Landes hat der Hovener Hof sogar eine eigene "App".

Ein großes Ziel hat sich Christian von der Recke auch außerhalb des Rennsports ausgesucht. "Ich möchte am Engadiner Sommerlauf teilnehmen, da ich St. Moritz nur mit Schnee kenne. Und am 3. Oktober will ich den Köln-Marathon bestreiten. Beim Ehrgeiz und Siegeswillen des Trainers kann man wohl davon ausgehen, dass der 54Jährige am Nationalfeiertag in Turnschuhen und kurzen Hosen seine Runden um den Dom dreht ...

(27.02.2015)