Presse: Morgenmuffel fährt zum Derby 

Kölnische Rundschau vom 09.05.2015, Bericht von Bernd Zimmermann.

Auf dem Hovener Hof in Weilerswist werden momentan zwei Rennpferde für den Start bei Deutschlands wichtigstem Galopprennen fit gemacht: Trainer Christian von der Recke setzt große Hoffnungen in die zwei zierlichen Vollblüter.

Morgenmuffel fährt zum Derby
Christian von der Recke bereitet zwei Pferde auf das große Rennen vor

Am Vormittag, wenn die Galopper auf dem Hovener Hof bewegt werden, dann ist er eher unauffällig: Shadow Sadness ist wohl eher ein Morgenmuffel. Doch für den Weilerswister Pferdetrainer Christian von der Recke und die Besitzer von Shadow Sadness ist das kein Grund, der Leistung des zierlichen Hengstes nicht doch zu vertrauen. Denn "nachmittagss ist das Rennpferd hellwach und sehr leistungswillig", so von der Recke, der 50 Vollblüter trainiert.

Am vergangenen Wochenende hat Shadow gezeigt, was in ihm steckt und als krasser Außenseiter mit Jockey Rene Piechulek im Sattel das gesamte Feld beim renommierten rühjahrs-Preis des Bankhauses Metzler - Stadtrat Albert von Metzler-Rennen auf der Galopprennbahn in Frankfurt/Main auf weichem Boden regelrecht deklassiert. Seinen Fans hat Shadow mit einer Wettquote von 299:10 ein echtes Glückserlebnis beschert. Wer 10 Euro auf Shadows unwahrscheinlichen Sieg gesetzt hatte, wurde mit 299 Euro belohnt.

Seinen Besitzern Klaus Dobeck und Michael Hermann vom Stall Weiss-Blau aus Gernsheim bei Frankfurt, die Shadow Sadness selbst gezüchtet haben, brachte der Sieg in Frankfurt insgesamt 36.000 Euro ein. Dabei hatte der Hengst als Einjähriger eine schwere Verletzung erlitten, eine Knochenabsplitterung am rechten Vorderbein, die in der von Dr. Cordula Gather und Dr. Thomas Weinberger geleiteten Pferdeklinik Burg Müggenhausen operiert werden musste.

Für Christian von der Recke markierte Shadow Sadness den 1800. Sieg als Trainer genau zehn Jahre nach Erreichen der Schallmauer von 1000 Siegen, wie eine Plakette im Stalldurchgang des Rennstalles Recke vermerkt.

Doch Recke und die Besitzer von Weiss-Blau haben mit Shadow, der von Soldier Hollow gezogen ist, noch Großes vor. Am 5. Juli soll Shadow an der Elbe beim Deutschen Derby, dem wohl bekanntesten deutschen Galopprennen für dreijährige Stuten und Hengste, an den Start kommen.

Seit Monaten zahlen Shadows Besitzer ihre Raten für 7.500 Euro Startgeld. Das allerdings hätten die Eigentümer eingespielt, würde Shadow in Hamburg Derbysieger. Denn der Sieg an der Elbe wird mit 390.000 Euro belohnt.

Noch ein Aspirant aus Reckes Trainingsstall könnte zum Deutschen Derby zugelassen werden: Eastsite One. Der dreijährige Hengst könnte, falls er beim Renntag in Hannover am Sonntag, 17. Mai unter die ersten drei kommt, ebenfalls in Hamburg starten. Eastsite gehört Gabriele Gaul, die mit dem vierjährigen Eric bereits einen Derby-Teilnehmer von ihr eigen nennt. Eric schlug sich damals wacker und erstritt sich den vierten Platz, lief also "noch ins Geld", wie Turfexperten sagen

Am morgigen Sonntag soll Eric, der für ein Rennpferd ebenfalls nicht gerade groß ist, in Köln das Rennen um den 80. Gerling-Preis bestreiten, ber mit 70.000 Euro Preisgeldern dotiert ist. Dem Sieger winken immerhin 40.000 Euro.

Recke, einer der erfolgreichsten Trainer der Republik, hat weitere Eisen im Feuer, denn eine Rennreiterin aus seinem Team, Rebecca Danz, startet am Sonntag in Dresden bei fünf Rennen. Käme sie bei einem der Rennen als Erste ins Ziel, hätte sie 50 Siege errungen und wäre berechtigt, sich Jockey zu nennen.

(09.05.2015)