Recke's Reflektionen: Handlungsbedarf bei Superritten 

Am Sonntag war ich mal wieder in Hoppegarten und es ist immer wieder toll zu sehen, was Gerhard Schöningh und sein Team hier aufgebaut haben. Und auch welche tollen Pferderennen in Berlin stattfinden. Das Hauptrennen wurde von alle Beteiligten als spannend und hochkarätig empfunden. Der Sieger wurde im Fernsehen so lange gefeiert, dass sogar das Umschalten nach Verden „vergessen“ wurde.

Der Sieger gewann nach einem typisch englischen Finish mit Hals. Es wurde erst mal außen angesetzt, einigen Gegnern die Spur gekreuzt und dann, als das Pferd müde war und den enteilten Gegner nicht stellen konnte der Stock gewechselt und mit dem neuen Schwung mit Hals gewonnen. Diese Art der Reitweise ist in England typisch und wird nicht geahndet, da das Pferd ja unter den Hilfen wieder anzog. Ein jeder wusste: wenn die umgekehrt sitzen gewinnt die Stute nicht. Genau wie bei James Doyle im Stutenklassiker in Düsseldorf und Jamie Spencer in Hoppegarten im letztjährigen Großen Preis von Berlin.

In Deutschland gibt es nun mal eine andere Rennordnung die besagt, es darf die Peitsche nur fünf Mal benutzt werden. Da die Reiter nicht nach Ritten, sondern nach Zeit ihr Strafenregister mit sich führen, sind sie mittlerweile sehr vorsichtig geworden. Es sind die Ausländer, die davon nichts wissen – beziehungsweise nichts wissen wollen! Denn bis 5 zählen können die auch. Sie wissen, dass ihnen nicht viel passieren kann, denn als „Ersttäter“ gibt es keinen Lizenzentzug und die Geldstrafe kann man sich ja eventuell auch zum Teil vom Besitzer wiederholen. Ein Lizenzentzug zum Beispiel vor dem Derby oder Royal Ascot ist indes nicht zu bezahlen und würde so eine Reitweise schlichtweg nicht zulassen.

Denn wenn Sie auf dem Weg zum Flughafen links fahren würden, wäre die Fahrerlaubnis auch beim ersten Mal weg. Ich denke, dass hier dringend Handlungsbedarf angesagt ist, um nicht noch mehr „Superritte“ zu sehen.
(17.06.2016)