Christian Frhr. v.d. Recke in der Sport-Welt 

Wie alle Beteiligten wissen, braucht es eine gehörige Portion Glück, um im Rennsport lange Spaß zu haben. Es wird den aktiven Personen im Erfolgsfall oft gar nicht bewusst, was ihnen in diesem Moment widerfahren.

Die Waagschale zwischen Glück und Unglück kommt in unserem Sport härter zum Tragen als in jedem anderen Sport oder Beruf. Ich selbst weiß, wovon ich spreche, denn ich denke, dass es trotz meiner 1907 Erfolge nur zwei Trainer in Deutschland gibt, die mehr Niederlagen erlebt haben als ich. Und trotzdem zieht man immer wieder hinaus, um am Renngeschehen teilzunehmen, und man ist sich bewusst, dass jeden Tag, Woche oder Monat herbe Schicksalsschläge eintreffen können.

So zum Beispiel bei meinem irischen Champion-Kollegen Willie Mullins, der am Wochenende mit Avant Tout eines seiner talentiertesten Hindernispferde verloren hat, nachdem dieser sich am letzten Sprung in die Sehne galoppiert hatte und getötet werden musste. Nur wenig später wollte er das Klasse-Pferd Vautour von der Koppel holen. Dieser hatte sich dort eine offene Fraktur zugezogen und war ebenfalls nicht zu retten. Dies sind zwei Pferde, die uns verlassen haben und dem Sport, vor allem aber auch den Besitzern, sehr fehlen werden.

Noch härter ist es jedoch, wenn es um einen solchen Schicksalsschlag wie den von Freddy Tylicki geht. Der in Deutschland geborene Reiter ist auch hierzulande sehr beliebt und uns ans Herz gewachsen. In diesem Jahr feierte er seinen ersten Gruppe I-Sieg, ritt in England für die besten Trainer und über Winter für den Scheich, für den er zehn Rennen gewinnen konnte. Und dann wird er durch einen schweren Sturz aus dem Sport gerissen, wird sein Leben lang querschnittsgelähmt bleiben.

Wie groß jedoch die Verbundenheit in unserem Sport, gerade mit den Verunglückten, ist, zeigt die Tatsache, dass binnen weniger Tage ein Geldbetrag von fast 300.000 Euro zu Gunsten Freddy Tylickis zusammengekommen ist. Das löst zwar das Problem nicht, macht ihm aber sein neues Leben und den Alltag leichter. Der deutsche Trainer- und Jockeyverband hat sich selbst mit einem hohen vierstelligen Betrag an der Aktion beteiligt. Wie man auch an der Sprungverlosung von Protectionist sieht, zeigen auch andere Deutsche ihre Hilfsbereitschaft.

Gerade diese Beispiele zeigen immer wieder, wie nahe Glück und Unglück beieinander liegen. Und man muss allen Beteiligten immer wieder „Hals und Bein“ wünschen und sich freuen, wenn alle gesund zurückkommen. Wenn das dann auch noch mit Erfolg verbunden ist, dann weiß man, was man in diesem Moment für ein Glück hat.
(17.11.2016)